Thema: Energiewende

Daniel Khafif interviewte mich letztens zum Thema Energie für das Portal enQuery.

AUF KOSTEN DER UMWELT? DA SPARE ICH LIEBER AN ANDEREN DINGEN!

 

Zoë Beck © Victoria Tomaschko
Zoë Beck, Autorin, Verlegerin und Übersetzerin:
Sehr geehrte Frau Beck:

Was bedeutet das Thema Energiewende für Sie?

„Im Moment löst das Thema eine gewisse Frustration bei mir aus. Mir geht die Wende nicht schnell genug, nicht weit genug, die Maßnahmen sind nicht umfassend genug. Die Atomkraftwerke sollten schnellstmöglich abgeschaltet werden und zusammen mit dem Kohlestrom Geschichte sein.“

Wie weit spielen Umweltfreundlichkeit und -wirtschaftlichkeit in Bezug auf Strom, Wasser, Gas für Sie eine Rolle?

„Ich sehe das so: Ich spare lieber im Verbrauch, und ich bin bereit, auf der anderen Seite für ökologische Maßnahmen auch mehr zu zahlen. Billigen Strom, billiges Wasser auf Kosten der Umwelt geht gar nicht, da spare ich lieber an anderen Dingen.“

Wie bewerten Sie den Atomausstieg und den Ausbau regenerativer Energiequellen?

„Zu langsam, zu inkonsequent, zu zögerlich. Und dass weiter auf Kohle gesetzt wird, verstehe ich unter Umweltschutzaspekten tatsächlich auch nicht.“

Wie empfinden Sie den neuen Energiediskurs um das Thema „Fracking“?

„Nein, das ist kein neuer Energiediskurs, es geht wieder um fossile Brennstoffe, und eigentlich sollten wir da doch Alternativen suchen, den Ausstieg vorantreiben, aber nein, es werden Alternativen für die Fördermethode eben dieser fossilen Brennstoffe gesucht.
Und nach allem, was ich über Fracking weiß, profitiert davon sicherlich nicht die Umwelt, ganz im Gegenteil. Die Schäden sind noch nicht absehbar. Mag ja sein, dass man heutzutage das Leitungswasser in Frackinggebieten nicht mehr anzünden kann, aber insgesamt erscheint mir das alles sehr, sehr fragwürdig, um es ganz vorsichtig auszudrücken. Wie oft muss eigentlich noch gesagt werden, dass wir nur diese eine Erde haben?“

Was verstehen Sie unter dem Plan eines europäischen Strom- und Energiebinnenmarktes?

„Wenn erneuerbare Energien europaweit finanziell gefördert/bezuschusst werden und der Strom anschließend europaweit genutzt werden kann, wenn das dazu führt, dass weitere Atomkraftwerke abgeschaltet werden können, dass wir keine Kohle mehr brauchen, keine anderen fossilen Brennstoffe, den CO2-Ausstoß reduzieren: prima!“

Wie weit darf bzw. kann der Wunsch nach Wohlstandswahrung und Energiesicherheit die Politik bestimmen?

„Wir dürfen nicht vergessen, wie hoch unser Wohlstandsniveau ist. Wir haben alle Möglichkeiten für gute Ausbildung, eine solide Infrastruktur, Gesundheitsversorgung. Aber wir haben natürlich auch das Problem einer ungerechten Verteilung des Wohlstandes: Schulen, Krankenhäuser, Arztpraxen usw. werden kaputtgespart, Innenstädte fehlsaniert … Und ich vermute, dass das noch schlimmer wird, wenn weiter nur danach geschaut wird, dass überall Profit gemacht wird, Profit an erster Stelle steht.
Die Frage dürfte sich so eigentlich ja gar nicht stellen, weil die Sicherheit der Menschen, ihre Gesundheit an erster Stelle stehen müsste. Dies wiederum kann nur gewahrt werden, wenn die uns umgebende Umwelt geschützt wird und intakt ist. Wir leben nicht, weil wir Betreiber eines Wirtschaftssystems sind, sondern Teil eines Ökosystems.
Mit den Plänen zur Energiewende ist Deutschland eigentlich weit vorn, und diese Vorreiterstellung sollte man ausbauen, Innovationsvorsprünge sichern, stolz darauf sein, dass eine erfolgreiche Industrienation diesen ganzen Wahnsinn mit Atomkraftwerken und fossilen Brennstoffen hinter sich lassen will und kann. Neue Technologien sollten weiter gefördert werden, das muss man ausbauen, das bringt auch wieder Arbeitsplätze, vielleicht ganz neue Chancen, die wir heute noch gar nicht sehen.
Die Politik muss nach vorn denken statt rückwärtsgewandt eine Besitzstandswahrung zu betreiben, es ist ja nichts anderes. Es zeigt sich schon seit Jahren in den meisten Lebensbereichen breitflächig der Wunsch, nachhaltig und bewusster zu agieren. Das sollte alles zu schaffen sein.“

Sehr geehrte Zoë Beck, vielen Dank für Ihre Antworten.

Foto: (c) Victoria Tomaschko.

Interview: (c) Daniel Khafif.

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