Gefährliche junge Männer

Ich habe in einer Stadt gewohnt, in der viele Gastarbeiter lebten. Deren Kinder und ich, wir gingen in dieselben Schulen. Manche von ihnen waren sehr gute Schüler*innen und machten Abitur. Andere waren nicht so gut. Manche waren Mathegenies. Super im Sportunterricht. Prima in Englisch und Französisch. Es gab keine Regel, wie Gastarbeiterkinder im Allgemeinen so waren. Es gab Klassensprecher*innen, deren Eltern kamen aus der Türkei, aus Portugal, Italien, Griechenland, Deutschland. In meinem Abiturjahrgang wurden Türkischkurse angeboten. Einer der Schulsprecher hatte türkische Eltern.

In derselben Stadt gab es immer wieder abends beim Weggehen Probleme mit jungen Männern. Einige dieser jungen Männer waren Kinder der so genannten Gastarbeiter. Einige waren US-Soldaten, die in der Nähe stationiert waren. Einige waren Deutsche. Es gab keine Regel, wer Ärger machen würde und wer nicht. Man musste ihnen sagen, dass sie sich benehmen sollten. Meistens ging es gut.

Aber einen wollte ich anzeigen, mit dem hatte ich wirkliche, echte Probleme. Der Polizist, bei dem ich die Anzeige aufgeben wollte, glaubte mir nicht. Er kenne den Vater. Das sei eine anständige Familie. Mit Geld. Mit ordentlicher Bildung. Seit Jahren und Jahrzehnten gute Bekannte, auf die man nichts kommen ließ. Anständige deutsche Jungs tun so etwas nicht. Und wenn, dann nur, weil sie nicht anders konnten. Was ich denn anhatte, fragte er mich.

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9 Comments

  1. Ja, die jungen Männer aus ordentlichen Familien tun das nicht, im Zweifel ist die Frau der Täter, die Männer durch Kleidung angelockt hat.
    Noch übler wird die Diskussion, wenn aus dem Ruder laufende Sexualität gleich einer ganzen Gruppe von Menschen zugesprochen wird, nämlich den jungen „meist attrraktiven“ allein reisenden muslimischen Flüchtlingen, die gerade in Deutschland ankommen. So geschehen von den Vertretern des Philologenverbandes von Sachsen-Anhalt im Editorial der Verbandszeitung. So weit also sind wir schon wieder gekommen. Und solche Assoziationen habe ich sofort, wenn ich Deine Überschrift lese: „Gefährliche junge Männer“. Nachlesen könnt ihr hier: http://www.phvsa.de/files/gisa/Zeitschrift_03-2015_WEB.pdf
    Viele Grüße, Claudia

    1. Das, was da „von den Vertretern des Philologenverbandes von Sachsen-Anhalt im Editorial der Verbandszeitung“ geschrieben wurde (es wurde darüber in den letzten Tagen in den Zeitungen berichtet) geht m.E. in Richtung Sippenhaftung.
      Hatten wir in DE schonmal; ging nicht gut aus …

      Zum Umgang mit anderen Menschen habe ich vielfach und immer wieder eine Erfahrung gemacht, für die es in einem Goethe-Wort eine Entsprechung gibt:

      Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.

      Eckhardt Kiwitt, Freising

  2. Es ist schon unglaublich, was sich manche Leute heute wieder trauen, in aller Öffentlichkeit auszusprechen. Ich kann ja privat ein Idiot sein und alle anderen – und besonders Ausländer – für Arschlöcher halten. Aber dann behalte ich das für mich. Der Umstand, dass sich immer mehr Pegidioten trauen, ihren Hass und ihre Ressentiments allen mitzuteilen, stimmt mich traurig und wütend. Wenn ich diese fahlen, duckmäußerischen „Bürger“ sehe, die in ihrem Leben nie auch nur einmal den Mut hatten, für jemand anderes einzustehen (und schon gar nicht zu DDR-Zeiten) nutzen die erstbeste Gelegenheit zur freien Meinungsäußerung, um nicht für, sondern gegen etwas, gegen jemand, zu sein, um zu pöbeln, zu beleidigen, zu brandstiften… ein erbärmliches Verhalten, einfach erbärmlich

    1. @ Jürgen Schulze, November 9, 2015 um 11:02

      Den sog. „Pegidioten“ kann man vielleicht besser beikommen, wenn man sie an der Substanz angeht:

      Wer von «Lügenpresse» redet,
      möchte vielleicht nur das
      in den Medien veröffentlicht wissen,
      was er selbst
      für «die Wahrheit» – Правда (Pravda)
      hält.

      Nachzulesen hier.
      Dort gibt’s etliches weitere, das man dort vielleicht gar nicht vermutet …

      Eckhardt Kiwitt, Freising

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