Das nie endende Bücher-Knigge-Thema: Wie viel vom Buch man lesen muss.

Darf man ein Buch nicht zu Ende lesen? Und wenn ja, ab wann darf man entscheiden, dass es sich nicht lohnt weiterzulesen? Nach fünfzig Seiten, nach hundert, nach der Hälfte des Buchs?

Ich sage: nach der ersten Seite. Wir Schriftstellerinnen und Schriftsteller sollten schließlich wissen, wie wichtig der erste Satz, die erste Seite ist. Und wenn wir es da schon schaffen, die Lesewilligen zu verlieren, dann sind wir einfach nicht füreinander gemacht.

Wenn ich schon viel Gutes über ein Buch gehört habe, und weil ich Geld dafür ausgegeben habe, lese ich natürlich doch mehr als die erste Seite. Aber soll ich mich bis zum Ende durchquälen und tagelang schlechte Laune haben, nur weil ich zwanzig Euro bezahlt habe? Nein. Dann doch lieber akzeptieren, dass ich das Geld zum Fenster rausgeworfen habe.

Ich treffe dauernd Menschen, die sagen: Ein Buch muss immer bis zum Ende gelesen werden. Da hat sich jemand Mühe gegeben. (Als ob ich das nicht wüsste, wie viel Mühe sich da jemand möglicherweise gegeben hat!) Oder sie sagen: Vielleicht wird es ja noch besser. Einige behaupten sogar, nicht schlafen zu können, wenn sie nicht wissen, wie das, was sie angefangen haben, ausgeht.

Aber nehmen wir mal den „Schwarm“ von Frank Schätzing. Der hat tausend Seiten. Nun sagte mir damals eine Freundin, es handele sich um ein großartiges Buch. Ich hatte versucht anzufangen und war immer wieder gescheitert. Sie sagte: „Die ersten dreihundert Seiten sind etwas zäh, aber dann wird es richtig gut!“ Oder waren es die ersten fünfhundert Seiten? Jedenfalls viele hundert Seiten. Ich habe keinen weiteren Versuch unternommen, mich mit dem Buch anzufreunden. Allerdings bin ich unendlich froh, die ersten fünfzig Seiten von Klaus Manns „Mephisto“ durchgehalten zu haben. Nach diesem zähen Start wird nämlich alles anders. Und bis dahin muss man erst mal kommen.

Umgekehrt gibt es Bücher, die grandios anfangen, im Mittelteil abflachen und am Ende enttäuschen. Das geht mir sehr, sehr oft ausgerechnet mit Kriminalromanen so. Ein künstliches Aufrechterhalten vermeintlicher Spannung, ohne dass tatsächlich Nennenswertes geschieht, und am Ende seitenlange Monologe des Ermittlers. Oder ein so konstruiertes Tatmotiv, dass man das Buch an die Wand klatschen möchte. Oder alle haben nur geträumt. Oder … ach, es gibt so viele Möglichkeiten, das Ende einer Geschichte in den Sand zu setzen. Da drängt sich mir nicht selten der Verdacht auf, dass jemand eine zündende Idee für den Anfang hatte, dann aber deutlich ins Schleudern geriet. Ich habe mich in den letzten Jahren damit abfinden müssen, dass ich, wenn ich lese, über Anfänge oft nicht hinauskomme. Ich lese in viele Bücher rein, um zu wissen, wie sie geschrieben sind. Gefällt mir der Anfang richtig gut, lese ich weiter, was nicht heißt, dass ich bis zum Ende komme. Über die Jahre habe ich richtig Übung bekommen im Anfänge beurteilen. Ich verstehe jetzt voll und ganz Lektoren und Lektorinnen, die sagen: Nach drei Seiten weißt du, ob jemand schreiben kann. Eigentlich schon nach drei Sätzen. Um Mitreden zu können, muss man ohnehin eine ganze Menge Bücher querlesen, und das tut Autoren und Autorinnen genauso weh, wie wenn jemand sagt: Ich hab nur den Anfang gelesen. Reinlesen und Drüberlesen, damit können wir nicht umgehen. Wir wollen nicht, dass das jemand mit unseren Büchern macht. Und wir tun es trotzdem mit anderen Büchern. Ich tu’s, weil ich über viele Bücher wenigstens ein bisschen Bescheid wissen will und sowieso niemals alles lesen kann, was ich lesen möchte. Aber auch, weil ich mich nicht mit Büchern quälen will, die mich nur mäßig interessieren, die ich aber irgendwie kennen sollte. Und weil ich lange suche, bis ich etwas wirklich Tolles in der Hand halte.

Der Stapel der angelesenen Bücher ist bei mir kein Stapel mehr. Er füllt eine Wand. Wenigstens hab ich reingelesen. Inspirierende Anfänge gelesen. Schöne, außergewöhnliche Sprache gefunden. Ich fand den Anfang von Joshua Ferris „Ins Freie“ toll. Dann las ich Kritiken, es sei ein total langweiliges Buch. Aber ich kann mit der Vorstellung leben, ein tolles Buch angefangen zu haben, ich mag den Ausschnitt, den ich kenne. Nur so als Beispiel. Mit meiner Sammlung angefangener Bücher fühle ich mich ganz wohl. Ich hab noch so viel vor. Und es kommt immer wieder Neues rein. Und manche schaffe ich auch tatsächlich bis zum Ende, und ein paar wenige enttäuschen mich dabei nicht mal. Deshalb: Ja, man darf Bücher anlesen. Man darf sie auch nach zehn Jahren weiterlesen. Oder nie. Das, was uns gefällt, findet uns schon irgendwie.

(Kolumne für die Sendung LiteraturEN, SWR2. Hier als Download.)

 

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36 Comments

  1. Man darf auch Bücher mehrfach anlesen und dann wieder in die Ecke werfen. So geht es mir mit „Naked Lunch“ – immer wieder fasziniert, und nach der Hälfte gebe ich es auf. Frei nach Dorothy Parker: „Es gibt Bücher, die kann man nicht einfach aus der Hand legen – man muss sie schon mit aller Kraft gegen die Wand werfen“.

  2. Es gibt bei mir nur sehr, sehr selten ein Buch, wo ich sage, das gefällt mir überhaupt nicht. Meist quäle ich mich dann so weit wie möglich durch das Buch, bis ich es abbreche.

  3. Ich bin da immer sehr entspannt. Packt mich ein Buch auf den ersten 50 Seiten überhaupt nicht, brech ich es ab. Manchmal gebe ich noch bis Seite 100 die Chance aber spätestens da ist Ende.
    Ich habe aber auch schon nach den ersten 20 Seiten aufgeben wenn es mich schon am Schreibstil gruselte. Ich geh also auch nach Gefühl.
    Es gibt einfach zu viele Bücher die ich noch lesen möchte 🙂
    Meistens gebe ich diese Bücher dann auch einfach weiter an andere die sich das antun wollen. Zudem versuche ich mich auch immer damit auseinander zu setzen warum mich das Buch nicht reizte.
    Ich esse ja auch nicht auf wenn mir etwas nicht schmeckt usw.
    Warum sich also diesen Stress antun? 🙂
    Bewusst nur „reinlesen“ oder „drüberlesen“ mag ich nicht. Entweder mich interessiert das Buch richtig oder gar nicht 🙂

  4. „Ein Buch muss immer bis zum Ende gelesen werden. Da hat sich jemand Mühe gegeben.“
    – mein Lieblingssatz, den ich gerne von Bekannten höre. Da frage ich gerne zurück, ob sie ein völlig versalzenes oder furchtbar schmeckendes Menü auch essen würden, nur weil sich der Koch besonders viel Mühe gegeben hat. Das möchten erstaunlicherweise dann doch die Wenigsten. 😉

    Zum Glück habe ich mir abgewöhnt, jedes Buch durchlesen zu müssen. Wann ich abbreche, kann ich nicht an einer genauen Grenze festmachen. Es ist reine Gefühlssache, ob ich einem Buch nach 20, 50 oder 100 Seiten noch die Chance zutraue, mich begeistern zu können.

  5. Danke für den tollen Artikel. Das beruhigt mein tatsächlich schlechtes Gewissen, denn ich teile nicht gern mit, dass mir ein Buch nicht gefallen hat. Es gab Zeiten, in denen ich mich durchgekämpft habe, aber mittlerweile habe ich einfach zu viele ungelesene Bücher hier, als dass ich mir das leisten könnte. Aber manchmal lohnt es sich wirklich, wenn man mal etwas die Zähne zusammen beißt, denn: Manche Anfänge sind nicht so wie erhofft und am Ende stellt sich das Buch als Perle raus. Daher bekommt jedes Buch von mir mindestens eine Chance von 50 Seiten, wenn sich das gewisse Gefühl einstellt auch 100 Seiten. Und wenn der Funke dann noch nicht umgesprungen ist, dann ist es vorbei. Ganz egal, was andere über das Buch sagen, denn ich lese keine Bücher nur um sie gelesen zu haben, sondern weil ich mich ein wenig darin verlieben möchte und darin leben möchte.

    1. Liebe Nadine, das hast du wunderschön ausgedrückt! Und ich finde es sehr respektvoll, wie du mit Sätzen und Wörtern von anderen umgehst. Es steckt trotz allem viel Arbeit und auch viel Liebe darin, wenn ein Autor mit uns seine Gedanken teilt. Es ist alles Geschmacksache. Und jeder Autor verdient Respekt und Achtung.

  6. Müssen wir wirklich auf der ersten Seite überzeugen? Dann hätte ich nie Thomas Mann entdeckt. Hesse wahrscheinlich auch nicht. Ich finde ganz im Gegenteil, dass heute Autoren oft der Mut genommen wird (und die Chance) episch zu werden, langsam zu beginnen, den Leser zu fordern. Aber: jedem die seinen 😉

    1. ich denke, auf der ersten seite zeigt sich doch auch gern mal, wenn ein text qualitativ nicht dem entspricht, was man möchte. epische erzählweise? gar nichts dagegen. dass ein text überzeugt, hat nichts mit möglichst viel handlung zu tun. aber ich seh doch gleich, ob jemand sprachlich was drauf hat.

      1. Sehe ich komplett anders. Ich habe beispielsweise mit Rick Yanceys „Der Monstrumologe“ das totale Gegenteil erlebt. Das Buch begann mit einem wahren bildhaft-genialen Schwall an Worten, und letztendlich verpuffte alles binnen der nächsten 100 Seiten zu einem Nichts, sodass das Buch bis zum Ende hin eine wahre Qual war. Anderes Beispiel: Sven Regener/“Herr Lehmann“. Was ging mir der Stil auf den Keks. Am Ende habe ich die komplette Trilogie verschlungen und zähle sie auch heute noch zu einer meiner Lieblingsbuchreihen.
        Vorschnelle Pauschalisierung und Resignation kann so einige verpasste Highlights nach sich ziehen – und ebenso kann ein eingangs wunderbarer Sprachstil eine totale Mogelpackung (ja gar mit Kalkül) sein…
        Woher kommt diese Ungeduld bei Kunstliebhabern?

      2. natürlich, sorum oder andersrum, das ist alles möglich. aber – woher die ungeduld? es gibt zu viel an literatur, die freude macht. warum also herumquälen mit etwas, das nicht den eigenen geschmack trifft? dass ich so oder so etwas verpasse – ohne frage wahr.

  7. Komisch das hier alle so eine hohe Quote an abgebrochenen Büchern haben. Von all den hunderten von Büchern, die ich über die Jahre so gelesen habe lassen sich die, die ich dann abgebrochen hab tatsächlich an zwei Händen abzählen. Entweder hab ich ein gutes Händchen bewiesen oder ich hab eine hohe Toleranzgrenze. Tatsächlich finde ich in den meißten Büchern etwas das mich am Ball hält und wenn es nur die Grotigkeit ist über die ich mich amüsieren kann. So ergangen bei Nele Neuhaus.

  8. Das schöne an Bücherläden und den Kindl-Leseproben, man kann die ersten zwei drei Seiten lesen und dann entscheiden ob man es überhaupt kauft. Klar ist es mir auch schon passiert das die Leseprobe super war. Das einzige gute an dem Buch. Pech gehabt. Aber in der Regel langt das um zu beurteilen ob ich es lese oder nicht. Schwieriger ist es bei Geschenkten Bücher. Der Schenker ist so glücklich, weiß er doch das ich gerne lese, und das Buch das er mir schenkt hat im soooo gut gefallen. Und ich lese rein und denke mir „Geht gar nicht“. Ich lese es dann trotzdem nicht. Mit einer Ausnahme. Twilight. Ich kam einfach nicht ran. Drei Seiten gelesen, zur Seite gelegt. Schenker sagte mir ab ca 100 Seiten. Also habe ich den Buch noch einmal eine Chance gegeben. Hat mich dann auch so gefesselt das mein Mann mich um vier in der Früh aus dem Bett geschmissen hat weil er endlich schlafen wollte, während ich gelesen habe. Es ist aber auch das einzigste aus der Biss-reihe das ich überhaupt gelesen habe. Sonst bleibe ich dabei gefallen mir die ersten zwei drei Seiten gefällt mir meistens das ganze Buch.

  9. Ich kann mich erinnern, dass mich bei dem Buch „Die Nebel von Avalon“ es ewig gebraucht hat bis es mich angesprochen hat. Das war aber die Ausnahme. Grundsätzlich, sofern ich keine Rezension über das Werk schreibe, lese ich die ersten 50 Seiten und die letzten 50, mehr muss man bei den meisten Autoren heute nicht mehr lesen, die Mitte kann man sich bei deren Büchern sparen. Ich lese meist auch immer nur ein Werk eines Autors, weil die nachfolgenden dann nach dem gleichen Muster ablaufen, die kann man sich dann sparen. Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber diese sind eher selten.

    1. Die ersten 50 Seiten und die letzten – genial! Hatte bisher Hemmungen
      so etwas zu praktizieren (Geniekult, deutscher, wirkt immer noch …). Gruss!

  10. Ich habe den Schwarm zu Weihnachten von meiner Frau geschenkt bekommen und hab sofort damit angefangen, es zu lesen. Nur fertig gelesen hab ich es noch nicht. Ich bin erst bei Seite 70.
    Weihnachten 2005 war das übrigens.

  11. Ich persönlich kann kein Buch nicht zu Ende lesen oder nach der Hälfte abzubrechen. Wenn lese ich etwas ganz oder gar nicht. Bevor ich ein Buch lese informiere ich mich darüber auch und entscheide dann ob ich das Buch lese oder nicht.

  12. Naja, ich glaube nicht an Liebe auf den ersten Blick, deshalb gebe ich einem Buch immer die Chance sich zu enwickeln. Dann kommt es aber auch noch darauf an, ob wir uns wenigstens sympthisch sind. Meist gebe ich ein Kapitel, oder aber so um die 50 bis 70 Seiten. Hat es Buch und Autor dann immernoch nicht geschafft, dann trennen sich unsere Wege. Ganz selten halte ich dann auch bis zum Ende durch, weil ich mich verlieben möchte und dann funkt es doch nicht. Ist zwar schade, aber die Geschmäcker sind verschieden.

    LG
    Karin

  13. Ach übrigens, „Ins Freie“ habe ich beendet, ich bin sozusagen durch das Buch geflogen und es wäre so schade hätte ich es nicht gemacht. Es ist einfach wundervoll!

  14. Ich glaube auch nicht, dass ein Buch bereits auf der ersten Seiten überzeugen muss und ich frage mich, wieviele tolle Bücher ich wohl abgebrochen und dadurch nie entdeckt hätte, wenn ich Sprache und Inhalt keine Chance gegeben hätte, sich über einige Seiten zu entwickeln. Ich möchte Büchern und deren Autoren und Autorinnen diese Möglichkeit einfach geben. Erst letztens las ich ein Buch und dachte auf Seite 20, das ich es erst einmal zur Seite lege, vorher aber noch das Kapitel zu Ende lese – ich konnte anschließend nicht mehr aufhören und habe ein unheimlich liebevoll-schräges Buch entdeckt.

  15. Ich gehe mit dem Thema im Privaten inzwischen auch sehr entspannt um. Wenn ein Buch mich nicht nach 20, 30 Seiten irgendwie fasziniert, in seinen Bann zieht und bei der Stange hält, wozu dann weiterlesen? Es passt oder es passt nicht. Es gibt viel zu viele großartige Bücher, die gelesen werden wollen, das Leben ist schlichtweg zu kurz, um Zeit an langweilige oder schlechte Bücher zu verschwenden.
    Diese Einstellung resultiert sicherlich aber auch aus der Verlagssarbeit, bei der ich ja oft genug Dinge lesen muss, die ich eigentlich lieber nicht lesen würde ;).

  16. 30 Seiten gebe ich einem Buch meist, es sei denn, ich glaube, da kommt noch etwas oder ich schreibe etwas darüber – dann lese ich es immer zu Ende. Ähnlich verfahre ich aber bei Filmen und Serien auch: Funktionieren die ersten zwanzig Minuten oder die erste Staffel nicht, dann schaue ich es nicht weiter.

  17. Mich ärgert diese Fastfood-Einstellung. Ist der Gipfel der literarischen Evolution tatsächlich, ein Buch zu schreiben, das bereits mit den ersten Sätzen zu überzeugen hat? Das ist doch schon eine Schablonisierung in den schreiberischen Wurzeln – bereits hier wird die Kreativität doch eingeschränkt.

    Ich bin da ganz bei „buzzaldrinsblog“… Für mich ist Literatur Kunst. Und Kunst ist mir leider heutzutage viel zu sehr auf Erfolg getrimmt. Ich sage es mal so: Bei 9 von 10 Büchern, bei denen ich die ersten 100-200, bei meinem letzten Buch sogar 600 (von über 900) Seiten dachte: „Was soll das?“, wurde ich für mein Durchhalten belohnt.
    Es hat für mich auch etwas mit Respekt vor dem Autoren zu tun, mich ernsthaft mit dem Material auseinanderzusetzen.
    Ich finde es schon ein wenig unmöglich, anhand der ersten paar Seiten (oder gar der ersten Seite) bereits ein Urteil zu fällen – wie oberflächlich ist so etwas denn? Bei einer Fernsehserie brauche ich ggf. auch erst ein paar Folgen, um mich einzugrooven, gerade, wenn es sich nicht um in sich abgeschlossene Episoden handelt.
    Wie würden Sie es denn finden, Frau Beck, wenn ich mir vor Ihren Augen eines Ihrer Bücher schnappen würde, die erste Seite lese (oder gar nur den ersten Satz lese), dann einfach nur „Bah! Doof! Mag ich nicht!“ sage und es beiseite lege? Würden Sie sich nicht (zumindest insgeheim) nicht wünschen, dass die Leute Ihnen über die ersten paar Seiten hinaus eine Chance geben?

    Ich mag wie ein gekränkter Autor klingen, aber da kann ich Euch beruhigen: Ich bin ausschließlich Leser (und Rezensent) und habe noch nicht eine Zeile Literatur selbst verfasst.

    Mensch, was hätte ich an guter Literatur verpasst, wenn ich all die Bücher in die Ecke gepfeffert hätte, bei denen ich Startschwierigkeiten hatte.

    1. das mag ein missverständnis sein. oder eine interpretationsfrage. mich überzeugt ein buch nicht durch actiongetriebene, schablonisierte erste seiten. im gegenteil. ich denke tatsächlich, dass ich auf den ersten seiten anhand komposition und stil erkennen kann, ob mich das buch interessiert. es kann später schrecklich langweilig werden. aber ich lese weniger plot driven als character driven, und ich möchte sprache, die mich begeistert. das ist keineswegs mit der einschränkung von kreativität gleichzusetzen, im gegenteil.

      1. Die Antwort gefällt mir gut. Ich habe schon viele Bücher gelesen und ich erlaube mir mein Urteil nur für mich (nur für mich!!!!!!, das empfinde ich nicht als oberflächlich oder als Fastfood, nur meine ganz persönliche Sache), dass ich meistens erkennen kann, ob mich ein Buch interessiert. Bei den allermeisten (ich gebe zu, es gab ganz wenige Ausnahmen) wurden die Bücher, bei denen sich relativ am Anfang dieses Gefühl des „nicht interessierens“ einschlich, durch das Lesen weiterer Seiten (für mich) nicht besser. Ich finde die Gedankenanregung wie viel man von einem Buch lesen „muss“ gut, ich habe dies zum Anlass für mich genommen, über mein Leseverhalten nachzudenken und mir meinen Stapel der ungelesenen wie auch der angelesenen Bücher nochmals unter neuen Aspekten bzw. mit neuer Chancengebung anzuschauen. Mal sehen, welches Buch es doch noch auf meine „Leseliste“ schafft…

  18. Pingback: Anderswo
  19. Auch wenn es schade ist und bei mir jedes Mal aufs Neue einen schalen Beigeschmack hitnerlässt, weil ich erahne, wieviel Kraft und Energie in jeder geschriebenen Zeile steckt, dennoch lege auch ich ein Buch nach mehreren Seiten ungelesen zur Seite. „Der Turm“ war und ist so ein Fall. Seit vielen Jahren steht die Taschenbuchausgabe bei mir im Regal, schaut mich an und scheint mir zuzuflüstern: Nimm mich, ergib Dich, lies mich endlich zu Ende. Und noch jedes Mal, wenn ich dies tat, war meine Energie nach spätestens 130 Seiten zu Ende. „Der Idiot“ von Jauds ist auch so ein Fall. Glücklicherweise muss ich unter den jährlich circa 70 Büchern, die ich so kaufe und lese, höchstens zwei bis drei in die Kategorie „Ich schaffe es einfach nicht“ einsortieren. Diese in meinen Augen doch bemitleidenswerten Mitglieder meiner Bücherregale werden aber niemals entsorgt. Irgendwann, so denke ich, bekommen sie von mir eine reelle neue Chance. Und dann kann es durchaus passieren, dass ich, gereift an Jahren und Wissen und das bislang verschmähte Werk zueinander finden.

  20. jetzt bin ich aber baff. ich sitz hier so etwas gelangweilt und les das und denk noch, wieso schreibt die darüber, überhaupt und auch noch so viel. also das thema ist eigentlich nicht meins, aber ich les und du kannst ja auch schreiben, selbst so was. also les ich sogar bis zu ende und denke, jetzt ist gut. aber dann muss ich sehen, das ist für viele ein thema und da les ich dann auch noch rein und wundere mich um so mehr. wenn man sonst keine probleme hat oder eben langeweile, kann man sich sogar mit angefangenen büchern beschäftigen. und jetzt ist er gekommen, der anruf auf den ich gewartet habe.

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