„… und zieh was Hübsches an.“

Heute habe ich interessante Post bekommen. Ich meine, ich bekomme ja ständig einfach mal so Facebooknachrichten von Menschen, die ich nicht kenne. Meistens ist es nette Post.
Heute postete ich, wie so oft, Links aus dem Themenbereich Feminismus, und es geschah, was dann immer geschieht. Es kamen Nachrichten, in denen ich gefragt wurde, ob ich

– Angst vor Männern habe,
– Männer hasse,
– mit Männern nichts anfangen kann,
– von Männern mal enttäuscht wurde,
– lesbisch sei, und:
– dass ich „zu hübsch“ sei, um mich mit diesen Themen rumzuärgern
– etc. etc.

Diese Nachrichten kommen zu hundert Prozent von Männern. Anders die öffentlichen Kommentare – so es welche gibt – zu den entsprechenden Themen: Da sind sich Mann und Frau teils erstaunlich einig, dass Feminismus eine seit vierzig Jahren überholte Sache ist, die man heute nicht mehr braucht, weil alle die gleichen Chancen haben.
Normalerweise trete ich einen Schritt zurück und komme möglichst nicht mit persönlichen Beispielen, weil es sonst wieder heißt, es handele sich um einen Einzelfall. (Dass auch gerne Statistiken mit Einzelfällen wie „Also ICH habe ja eine ChefIN, da sieht man doch, dass man keine Frauenquote braucht“ vermeintlich ausgehebelt werden, ist den KommentatorInnen situativ egal.)
Heute also wurde ich wieder gefragt, ob ich Angst vor Männern hätte, ganze vier als männlich deklarierte Facebooknutzer wollten das von mir wissen. Und ich dachte: Okay. Ich denk drüber nach. Und ich antworte, ausnahmsweise, öffentlich.
An sich ist es eine absurde Frage. Ich mag Menschen, oder ich mag sie nicht, und vielleicht gibt es auch Menschen, vor denen ich Angst habe. Letztens erst, als ich meine Freundin nachts um halb eins zur Bushaltestelle brachte, stand dort ein Mann, machte sich die Hose auf und holte sich einen runter. Zielte dabei in unsere Richtung. Wir waren vor allem sauer, aber hinterher, als wir erfuhren, dass es am selben Abend in derselben Gegend zu sexuellen Übergriffen durch einen Mann, auf den die Beschreibung passte, gekommen war, kam doch auch Angst. Sie kam nicht sofort, weil ich mittlerweile mit sexueller Belästigung anders umgehen kann als noch vor ein paar Jahren. (Irgendwann beschließt man, sich nicht mehr zum Opfer machen zu lassen. Ganz geht die Angst davon nicht weg. Ganz vergessen geht auch nie.) Hinterher habe ich darüber nachgedacht, wie man reagieren würde, wenn sich eine Frau auf offener Straße selbst befriedigt. Gäbe es jemanden, der dann Angst vor einer Vergewaltigung hätte? Genau.
Nein, ich bin nicht der Meinung, dass alle Männer potentielle Sexualstraftäter oder Gewaltverbrecher sind. Überhaupt nicht. Aber es gibt sie, und es gibt Menschen, die nicht verstehen wollen, warum ich im Jahr 2013 immer noch der Meinung bin, dass (in der Mehrzahl) Frauen anders behandelt werden und dadurch Nachteile haben.
Es gab mal eine Zeit, in der ich wirklich dachte, dass wir alle dieselben Chancen haben und alles erreichen können, wenn wir nur wollen und gut genug sind. Dann kam ich an die Uni. Die Stipendiengesellschaft, die mich aufnahm, hatte zu der Zeit einen Frauenanteil von nur 25%. Die Frauenquote für Lehrstühle wurde in der Zeit eingeführt. Ich war trotzdem noch skeptisch – Relikte von früher, alles wird besser.
Es wurde nicht besser, im Gegenteil.

– Mir wurde gesagt, ich spielte für eine Frau richtig gut Klavier. „So gut wie ein Mann.“
– Mir wurden für einen Job bei nachweislich und objektiv besserer Qualifikation 2400 DM Gehalt weniger geboten als meinem männlichen Mitbewerber. Ich habe den Job nicht angenommen.
– Ich habe in vielen Bereichen gearbeitet, in denen es eine hohe Frauenquote gab, die oberen Positionen aber fast ausschließlich von Männern besetzt waren. Wenn ich vertretungsweise zu Sitzungen geschickt wurde, war ich häufig die einzige Frau und wurde entsprechend behandelt.
– Ich weiß nicht, wie oft Männer gefragt werden, ob man mit ihrem Vorgesetzten reden könnte, ohne dass das Gespräch überhaupt begonnen hat.
– Ich weiß auch nicht, wie viele Männer von ihren weiblichen Vorgesetzten gebeten werden, sie morgens mit ihrer „sexy Stimme am Telefon“ zu wecken. (Übrigens mit der Aussicht auf eine bessere berufliche Position, falls ich dem Vorschlag folge. Ich folgte ihm nicht.)
– Kaum ein Mann muss sich für seine bewusste Entscheidung, keine Kinder zu wollen, rechtfertigen. (Ich will keine Kinder. Das weiß ich seit fünfundzwanzig Jahren. Mindestens.)
– Kaum ein Mann wird bei der Wohnungssuche gefragt, ob er mit seiner Frau einziehen wird und was diese denn so beruflich macht – ohne dass zuvor geklärt wurde, ob und was er arbeitet. (Ich sagte dann: „Sie würden das Geld von meinem Konto bekommen. Und stellen Sie sich vor, ich arbeite sogar.“ Ich habe eine andere Wohnung genommen.)
– Will ich mit einem Mann nicht ausgehen und lehne höflich ab, heißt es, ich sei arrogant, frigide, lesbisch (das ist natürlich als Beleidigung gemeint), kurz: mit mir „stimmt etwas nicht“.
– Ich bestelle mir lieber einen Whisky statt Prosecco, und es heißt, ich sei Alkoholikerin, weil ich „auf die harten Sachen“ stehe. Da käme bei einem Mann niemand auf die Idee.
– Die Liste lässt sich sehr lange fortsetzen.

Das alles macht mir nur insofern Angst, als dass ich merke, wie oft ich an meine Grenzen stoße. Ich kann mich offenbar nicht so frei bewegen, wie das ein Mann kann – und wenn, dann höre ich blöde Sprüche? Es werden Gerüchte in die Welt gesetzt? Vielen Dank auch.
Letztes Jahr allerdings hat mir etwas wirklich Angst gemacht, und es hatte mit Männern zu tun. Da wurde ich auf einem meiner beruflichen Gebiete – vorsichtig gesagt – schlecht behandelt. Es hat mir weder zu der Zeit noch im Ergebnis besonders gut getan, und damit meine ich sowohl finanziell als auch gesundheitlich. Ich musste jedenfalls mit einer gewissen Fassungslosigkeit und – schlimmer noch – Ohnmacht zusehen, wie stark „Männerseilschaften“ sein können. Legt man sich mit dem einen an, hat man gleich noch die anderen gegen sich. Ich habe sachlich das Gespräch gesucht. Ich bekam unsachliche Äußerungen zurück: Ich sei – beruflich – nicht interessant, da ich „immer so ernst“ sei, das hätte man sich anders vorgestellt. Der Hinweis darauf, dass es ums Geschäft ginge, erzeugte Reaktionen wie „Warum willst du ständig über Geschäfte reden? Hab doch mal Spaß.“ Was im weiteren Verlauf des Gesprächs zu „Hast du denn keinen Kerl, der dir die Miete zahlt, oder warum arbeitest du so viel?“ führte, und schließlich zu „Du bist einfach zu spröde und undankbar, so wird das hier nichts.“ Die Folgen waren für mich, wie erwähnt, schwer zu tragen. Ich wurde vor eine Wahl gestellt, bei der A für mich so erniedrigend gewesen wäre wie B. Beides versprach allerdings eine Art Sicherheitsnetz für die nächsten Jahre. Ich entschied mich für C, was kaum jemand verstehen konnte: kein Netz, kein doppelter Boden. Freier Fall mit ungewissem Ausgang.
Zu der Zeit konnte ich nicht sicher wissen, dass die Entscheidung die einzig Richtige war. Ich kann mir nicht mal heute sicher sein. Aber ich würde mich wieder genau so entscheiden.
Männer werden natürlich auch in gewissen Situationen demontiert und gedemütigt. Ich vermute allerdings, es läuft sachbezogener ab. Und welchem Mann wird schon – vor allem in beruflichen Kontexten – gesagt: „Lach doch mal“, „Hab doch mal Spaß“ oder „Zieh mal was Hübsches an“?
Also, ja, ich habe mittlerweile Angst, nachdem ich mitansehen musste, was manche Männer in hohen Positionen mit einer Frau machen, die nicht ihren Vorstellungen entspricht. (Ich versuche, mich hier sehr, sehr vorsichtig auszudrücken.) Und wie sie ihre Verbindungen nutzen. Wie sie zusammenhalten und enger zusammenrücken.
Ich will diese Angst natürlich nicht haben müssen. Aufstehen, Dreck abklopfen, weitermachen. Blöd nur, dass irgendwie immer was hängenbleibt und die nächsten Schritte etwas wackelig sind. Wie oben aber schon mal in anders gesagt: Opfer sein ist scheiße. Und bringt nichts.
Ungefähr deshalb, und aus noch sehr vielen anderen Gründen, bin ich der Meinung, dass es noch eine Menge zu tun gibt, bis auch der letzte (und die letzte) verstanden hat, dass wir alle Menschen sind und uns auch so verhalten und gegenseitig behandeln sollten. Sogar die Frauen.

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33 Comments

  1. Liebe Zoe,mit diesen Seelenstriptease hast Du es hoffentlich allen Kritikern gezeigt,dass man als Frau auch allein und erfolgreich durch Leben gehen kann.Ich finde es mutig von dir das du dieses Thema öffentlich gemacht hast.Respekt! Nichts anderes habe ich von Dir auch erwartet.So akribisch wie Du für deine Bücher recherchierst wirst du es auch im Leben machen.Obwohl ein kleiner Chaot steckt in jeden von uns.Ich freue mich auf die nächste Lesung mit Dir
    liebe Grüße Manfred Bülow

  2. Liebe Zoe, leider sehr wahre Worte.

    Ich habe zwar einen Beruf, in dem Männer und Frauen auf den Cent gleich entlohnt werden (müssen), aber das war’s auch schon. Bei meiner ersten Arbeitsstelle wurde ich von meinem damaligen Chef meiner Gruppe als „Strafe“ zugeteilt, weil er den Männern eins auswischen wollte (ich war die einzige Frau und Frau = Strafe). Und vor einigen Jahren war bei einer Stellenbewerbung mein Manko, dass ich schwanger werden und Kinder kriegen könnte. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Mann mit der Begründung abgelehnt wird, dass er Vater werden könnte.

    Es hat sich in den letzten Jahrzehnten wirklich viel getan, aber bis es in allen Köpfen (in denen von Männern ebenso wie in denen von Frauen) ankommt, dass Frauen keine Wesen zweiter Klasse sind, dass das Pochen auf Gleichberechtigung nichts mit „hormonell bedingter“ Zickerei zu tun hat und dass Frauen nicht zu Mannweibern mutieren, nur weil sie sich bewusst gegen Kinder entscheiden, ist es noch ein verdammt weiter Weg.

  3. Ich kann nachvollziehen, dass es einem Angst machen kann, wenn man sich bedrängt von jemanden fühlt, der einem wohl körperlich überlegen ist. Als Mann kann ich mich noch sehr leidvoll daran erinnern, wie ich als Junge von Pädophilen in der Strassenbahn bedrängt wurde. Und ich denke auch, dass ich wohl nicht ängstlich reagiert hätte, wenn mich eine ältere Frau bedrängt hätte – eher irritiert. In diesem sexuellen Kontext wird es wohl immer ein Ungleichgewicht zwischen Frau/Mann in Bezug auf Angst haben/Angst machen geben.

    Doch was dann im weiterem folgt, finde ich etwas fragwürdig. Denn der einleitenden Kontext (Bild vom Exhibitionisten) dient offensichtlich oder unterbewusst dazu, die nachfolgenden Erlebnisse zu dramatisieren. Daran ändert auch der relativierende Satz nichts mehr: „Nein, ich bin nicht der Meinung, dass alle Männer potentielle Sexualstraftäter oder Gewaltverbrecher sind. Überhaupt nicht. Aber es gibt sie, und es gibt ….“ Das Bild des Typen, der sich vor Euch einen runterholt, bleibt im Kopf bestehen. Und es verbindet sich für mich als (männlicher) Leser mit allen anderen Aussagen, wie „spiele für eine Frau richtig gut Klavier.“ bis hin zu dem Typen mit dem Spruch: „Du bist einfach zu spröde und undankbar, so wird das hier nichts.“ Alle Zitierten sind mit diesem Bild verknüpft. Diese Form der Rhetorik führt dazu, dass Männer etwas dämlich nachfragen, ob hier nicht die Frau ein grundsätzlich Problem mit Männern hat – wenn sie psychologisieren, würden sie vielleicht noch „Trauma“ formulieren.

    Ich will mir nicht anmaßen, zu psychologisieren. Aber ich wollte über meine Interpretation des Textes anregen, zu hinterfragen, ob es nicht eher fehlende Menschenkenntnis ist, die dazu führt, mehrheitlich mit Menschen zu tun zu haben, die so ein Gehabe an den Tag legen. Denn der Spruch mit dem Klavier könnte ebenso von einer dämlichen Frau kommen. Und in Firmen zu arbeiten oder Umgebungen sich aufzuhalten, in denen Menschen (nicht nur Männer) solch dämliche sexistische Attitüden äußern und Klischees bedienen, sucht man sich eigenverantwortlich aus. Da ich in meinem Berufsleben sehr viel mit Frauen in jeglicher Position gearbeitet habe, ist meine Erfahrung, dass es auch da nicht wenige gibt, deren Attitüden und weibliches Gehabe einem furchtbar auf den Senkel geht. Und es gab ebenso viele männliche Mitarbeiter, die sich – teils mit Recht – darüber beklagten, dass sie ewig auf eine Termin bei ihrem Chef warten müssten, während die X oder die Y immer einfach zu dem reingehen könne und schon die dritte Gehaltserhöhung zugesprochen bekommen hätte.

    Fazit für mich: primär sind es Menschen (nicht Männer), die ich verachte, wenn sie sich unhöflich, herablassend, arrogant, überheblich etc. verhalten.

    Herzlichen Gruß, Thomas.

    1. Da schreibt eine Frau offen und ehrlich über all die verschiedenen Situationen, in denen sie aufgrund ihres Geschlechts Nachteile erlebt alle. Und dann kritisierst Du die Reihenfolge? Sagt mal hackts?

      Genau das ist anmaßend, unhöflich und herablassend! Es ist ihre Geschichte, es sind ihre Erfahrungen und wenn sie diese beginnt mit einer Anekdote, die ihr gerade vor kurzem passiert ist, dann macht sie das. (Vom Rest dieses anmaßenden Kommentars, mit Abstand dem längsten, gar nicht zu reden. Das grenzt schon an Gaslighting.)

  4. Liebe Zoe,

    vielen Dank für diesen offenen Blogbeitrag, der sich hervorragend einreiht in die vielen Begebenheiten die während der Aufschrei-Debatte veröffentlicht wurden. Leider immer noch Alltag.

    Thomas, zu schreiben „Ich will mir nicht anmaßen zu psychologisieren“ nachdem du es die Sätze zuvor getan hast …merkst du selbst, oder.
    Und mit fehlender Menschenkenntnis hat es nun leider wirklich nichts zu tun an Menschen mit so einem Gehabe zu geraten. Ich schreibe „leider“ da die tausenden Erfahrungsberichte die Anfang des Jahres von Frauen veröffentlicht wurden nicht alle auf „fehlende Menschenkenntnis“ zurück zu führen sein können. Es handelt sich schlicht um eine gewaltige Schieflage in unserer Gesellschaft.

    Beste Grüße. Tanja Ries

    1. Was ich versucht habe, ist die Rhetorik des Textes zu veranschaulichen, nicht psychologische Vermutungen über Zoe anzustellen. Denn das wäre es dann, wenn man(n) unterstellt, dass eine Frau, die sich mit Recht über Schnösel, Machos und deren plumpe Sprüche aufregt, durchweg ein Problem mit Männern hätte.

      Ich gebe zu, dass mich die Gender-Diskussionen immer befremdet hat, da ich weder ein homogenes Frauenbild noch Männerbild habe, sondern nur ein sehr differenziertes Bild von Menschen. Und derzeit gibt es leider noch eine überwiegende Mehrheit von Menschen, die offensichtlich die Klischees alter Geschlechterrollen erfüllen und erfüllt sehen möchten.

      Und dass dies nicht nur in traditionellen Arbeitsumgebungen so ist, sondern auch in Branchen, die für sich in Anspruch nehmen, die Moderne, die Avantgarde zu vertreten, lässt sich beispielhaft sehr gut an der Medien- und Kulturbranche dokumentieren. Hier dominieren die Klischees sowohl in der Arbeitswelt als auch bei den Produkten. Würden wir alle aktuellen Bücher, Filme und TV-Programme vom Markt nehmen, die diese Klischees bedienen, gäbe es die Branchen nicht mehr. Werden diese Produkte nun produziert, weil es so wenige moderne Frauen in der Branche gibt, die das beeinflussen können? Wohl kaum, denn in der Branche sitzen genügend Frauen in Spitzenpositionen. Sie werden produziert, weil es eine sehr große Anzahl Menschen gibt, die diese Klischeewelt wünschen.

      Was ich damit sagen will: es ist ein sehr zäher Prozess über Generationen, der die Rollenbilder verändert. Doch es ist ein fortschrittlicher Prozess, der sich unaufhaltsam weiter bewegt. Die aktuelle Gender-Diskussion wird aber überwiegend von undifferenzierten, pessimistischen Meinungen geprägt, die ein fatalistisches Bild von einer Frau/Männer-Welt zeichnen – vergleichbar dem seit Jahrhunderten kulturpessimistischen Jugendbild. Ich bin der Überzeugung, dass es keine Zeit zuvor gab, in denen es für die Jugend bessere Entwicklungsmöglichkeiten gab als heute und auch keine, in der sich Frauen und Männer besser selbst verwirklichen konnten. Und in zehn Jahren wird es wieder etwas besser sein.

  5. Liebe Zoë
    Du schreibst mir aus der Seele und beschreibst ziemlich genau, was auch immer und immer wieder erlebte. Das Erschreckendste für mich war dabei, dass es nicht nur Männer sind, die dir weniger Chancen und Möglichkeiten einräumen oder weniger zutrauen, sondern ebenso Frauen. Von Solidarität und gegenseitiger Stütze habe ich da selten viel erlebt, viel mehr waren Neid, Missgunst und Intrigen, teilweise bis zu Mobbing an der Tagesordnung. Das hörte ich auch schon von anderen. Das ist schade, gerade wenn man nach aussen immer für die Rechte der Frau plädiert, sollte man diese auch selber verwirklichen helfen – für alle, nicht nur für sich allein.

    Ich habe Stellen trotz besten Qualitäten nicht erhalten, weil man sie mir als Frau (und Mutter) nicht zutraute (obwohl ich bewiesen hatte, dass ich genau diese Herausforderungen in dieser Konstellation zu bewältigen fähig war), ich habe um mein Recht kämpfen müssen, weil Professoren dachten, mir als Frau weniger zutrauen und vertrauen zu können als einem Mann (was mir so ins Gesicht gesagt wurde), ich habe jede erfolgreiche Prüfung mit Sprüchen quittiert bekommen, ob ich dem Experten schöne Augen gemacht und einen kurzen Rock getragen hätte. Die Beispiele liessen sich auch hier fortsetzen, was unterm Strich bleibt ist, dass wir noch lange nicht da sind, wo wir sein sollten und könnten, würden die Menschen mal die Augen öffnen und andere Menschen als Menschen sehen, nicht als Verkörperung diverser Schubladen wie Geschlecht, Rasse, Religion, etc.

    Dir alles Liebe
    Sandra

  6. Obwohl ich die Genderdiskussion nachvollziehen kann, weil sie prinzipiell eine Diskussion über (biologische) Ungleichheiten und deshalb eine ungleiche Würdigung darstellt, mag ich sie nicht, weil sie ein Merkmal (das Geschlecht) so hervorhebt, als wären Frauen nicht nur „auch Menschen“, sondern sogar die „besseren“ (wodurch es zu einer Wertedebatte wird und nicht mehr um die Würde geht). Daß es aber auch andere (nicht so sichtbare) Unterschiede zwischen den Menschen (und Menschinnen) gibt, die zu ähnlichen „Problemen“ führen, wird ausgeblendet, da es biologisch eben die obersten Kategorien „Mann“ und „Frau“ gibt (warum wird das seltenere „dritte Geschlecht“ eigentlich bei solchen Diskussionen ausgeklammert?).
    Mich „nervt“ diese Gender- und Gleichberechtigungsdiskussion aus folgender Eigenerfahrung etwas: In der Realschule war ich (männliches Geschlecht) in einer „geschlechtsneutralen“ Klasse (Jungs-Mädel-Verteilung: 50:50) Außenseiter, weil ich Mathe und Naturwissenschaften mochte und mir das Lernen insgesamt zu leicht fiel. Streber konnte man mich aber nicht nennen, denn dazu war ich zu faul und „verhaltensauffällig“ (kein Schleimer gegenüber den Lehrern). Mit 19 bewarb ich mich auf einen Job und beim Einstellungstest klärte sich, daß eine „Hochbegabung“ vorlag und mir so die „Außenseiterrolle“ klar wurde. Die Stelle bekam ich nicht, weil ich „zu viel hinterfragen würde, statt meine Arbeit zu machen“.
    So gesehen kann ich Frauen verstehen, weil sie (sichtbar) „anders“ sind; aber es gibt auch ein „unsichtbares Anderssein“, das zu ähnlichen „Ausgrenzungen“ führt. Es kommt auch auf die jeweilige Gruppe an, ob man (oder frau) akzeptiert und anerkannt wird.
    Soll es nun für all diese „Unterscheidungsmerkmale“ (angefangen von der Körper-, der Schuhgröße über das Körpergewicht bis zum IQ oder sonstigem) eine Quote und „Gleichstellung“ oder einen „Aufschrei“ geben?
    Menschen sind nur auf einer Ebene „gleich“, und das ist die eher abstrakte, biologische Überlebensgrundfunktion (Stoffwechsel und Atmung); schon auf der nächsten biologischen Ebene, fangen die Unterschiede an (nicht alle Menschen vertragen alle Lebensmittel gleich) und die Unterschiede werden von Ebene zu Ebene gravierender (Frauen können Kinder bekommen, Männer nicht – ist das gerecht?).

  7. Liebe Zoe,

    schöner Artikel. Ich erkenne Situationan wieder, die ich auch schon erlebt habe, aber eben gerne auch mal von Frauen verursacht, die sich mit der jeweiligen Macht gemein getan haben oder die selbst Macht besaßen.
    Und ich stimme meiner Vorposterin absolut zu. Wir sollten anfangen uns als Menschen zu sehen, anstatt uns uns in Schubladen nach Geschlechtern, Hautfarben, Herkunft, Religionszugehörigkeiten, sexuellen Vorlieben, etc… einzuteilen
    Es gibt eben Arschlöcher und Nicht-Arschlöcher. Und wenn wir anfangen würden danach zu beurteilen, ob der Mensch, mit dem wir es – wo auch immer – zu tun haben, ein intriganter Machtmensch, gestört, unsozial oder ein solidarisches, zur Empathie fähiges Wesen ist, wäre m. E. schon vieles erreicht.

    Alles Liebe und schöne Grüße,
    Barbara

  8. Sehr schöner Text und vor allem für Männer gut, um mal die gegenüberliegende Persketiven einzunehmen.

    Mir geht es bei Artikeln wie deinem ( immer weniger, aber immer noch ) so, das ich mich dabei erwische, wie ich selbst solch unangemessenes verhalten an den Tag lege…

    Aber durch solche Posts lernt man(n)s.

    Danke dafür.

  9. Danke, das kenne ich nur allzu gut.
    Diese sexistische Sch…. das ganze (Berufs)Leben lang.
    Die Beförderung für den Kollegen, weil er ja die Familie ernähren muss (ich weiß, Sie sind kompetenter, aber er hat Familie)
    Die eigene Oma, die ständig quengelt, dass man heiratet (dann weiß ich, dass du versorgt bist)
    Der Nachbar, der sich ne Bohrmaschine leihen will und dafür nach dem Freund fragt (dabei ist das meine Maschine, und ich kann sie auch bedienen)
    Und dazu laufend diese anzüglichen Bemerkungen.

    Es ist traurig.
    Genau:
    Dreck abklopfen, Kopf hoch, weitermachen.

  10. Du hast recht! Das Leben als Mann ist das reine Paradies und die meisten Männer lächeln 24 leise Stunden in sich hinein, aufgrund ihrer glücklichen Situation.

    Grüße,
    ein Mann.

  11. Würde auch gern meine Solidarität bekunden. Fühle mich aber unwohl in der Täglich-wird-uns-Unrecht-getan Community. Das tröstende Gemeinschaftsgefühl war auf meinem Weg aus der Opferrolle rückblickend das erste Hindernis, von dem ich mich befreien musste.

    1. ich versuche nur zu erklären, warum es mir wichtig ist, über so genannte frauenthemen (was an sich schon in der wortwahl eigentlich schwierig ist) zu posten. weil mir das ständig zum vorwurf gemacht wird. siehe einstieg. es ist eine persönliche geschichte.
      allerdings, dies noch als edit, ging es mit bei #aufschrei so. da habe ich mich ganz rausgehalten.

    2. Ich denke, es geht doch gar nicht so sehr um Opferrollen, es geht mehr darum, aufzuzeigen, was heute teilweise passiert, wieso man auf gewisse Dinge reagiert wie man es tut und zu überlegen, was helfen könnte, weiter zu kommen. Ohne das Wissen, was ist, führt kein Weg hin zu dem, was man gerne möchte.

      Es mag nicht immer alles so laufen, wie man es gerne möchte, ab und an mag einem auch Unrecht widerfahren oder man es als solches Auffassen, das heisst aber nicht, dass man danach in der Opferrolle verbleibt, wenn man das feststellt, es heisst nur, dass man es so erfahren hat und dann einen Weg für sich sucht, der eben passt.

  12. Mal ne doofe Frage – nur weil das Männer sind und die auf dir frauenspezifisch rumhacken, woher willst du wissen, dass Männern das nicht in ähnlicher Situation ähnlich passiert wäre?

    Natürlich hätte man da nicht das Geschlecht als Unterscheidungsmerkmal herangezogen. Aber was man bei Männern gerne mal nimmt ist z.B. das Alter. „Der Grünschnabel“, der seinen Chef beim Meeting vertreten soll wird nicht für voll genommen etc… und viele Männer müssen zwischen Sicherung mit Speichellecken und „ohne Sicherung“ entscheiden. Und entscheiden sich dann häufig für’s Speichellecken.

    Ich will deine Erfahrungen nicht relativieren oder sagen, dass das alles nicht nix ist. Ich will auch nicht sagen, „die armen Männer“. Aber ich will die Perspektive dafür öffnen, dass – auch wenn das bei Frauen nochmal anders (geschlechtsspezifisch) gemacht wird, auch bei Männern Gründe gefunden werden, auf ihnen rumzuhacken.

    1. oh, es scheint im wesen vieler menschen zu liegen, sich jemanden zu suchen, der (vermeintlich) schwächer ist, um sich selbst aufzuwerten. ohne frage, und auch nicht geschlechtsspezifisch, nicht zwingend. ich kann allerdings in einem persönlichen beitrag nur über meine erfahrungen schreiben, und die genannten beispiele wären männern nicht passiert. ja, denen wäre etwas anderes passiert, ich glaube, das sage ich dort auch irgendwo. sie werden aber kaum einfach nur wegen ihres geschlechts diskriminiert. aber wenn ich gefragt werde, warum ich mich für sogenannte frauenthemen einsetze, ist dies nun mal meine antwort. grundsätzlich bleibt zu sagen, dass ich gegen jede form der diskriminierung bin.

  13. Sehr interessanter und gleichzeitig trauriger (sowie etwas sehr alter, ich weiß) Artikel. Finde es super, dass du das hier aufzeigst und so weiter machst, wie es dir passt 😊.

    Nur so als lustiges Beispiel: meinem (männlichen) Arbeitskollegen wurde von meinem (männlichen) Chef mal gebeten, für ein Meeting oder so „was hübsches anzuziehn“ 😂

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