Da findet man immer schöne Bilder.
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Ich liebe übrigens Panoramio.
November 27, 2008 · Kommentar schreiben
Kategorien: Diary
Mit Tag(s) versehen: Edinburgh, Panoramio, Schottland
„Wenigstens mal anfassen“,
November 27, 2008 · 4 Kommentare
jammert Moira, aber ich habe wirklich kein einziges Exemplar von „Wenn es dämmert“ mitgeschleppt. Wozu auch, Lesungen werde ich hier sicherlich keine machen. Es sei denn, das Goetheinstitut meldet sich obskurerweise, aber denen bin ich nicht deutsch genug. Und irgendein Germanistikseminar wird angesichts des Genres ohnehin gar nicht erst – lassen wir das.
Ich muss Moira also enttäuschen, vorerst, aber dann gehen wir zu Waterstone’s in der George Street, weil ich noch was nachsehen muss (in Wirklichkeit, weil mir gerade nichts einfällt und ich immer Ausreden brauche, um irgendwo herumzutrödeln). Natürlich hat sie nichts besseres zu tun, als mich dem nächstbesten Verkäufer offensiv vorzustellen und lauthals nach meinem Buch zu krähen. Sie haben es nicht, welch Überraschung, und sie können es auch nicht bestellen, weil sie nicht so genau wissen, wie man das macht, ein deutsches Buch bestellen.
Ich kenne Moira lange und gut genug, um genau zu wissen, was jetzt kommt. Sie wird eine ihrer „In München war das ja alles viel besser“-Geschichten zum Besten geben. Tatsächlich: „When I lived in Munich …“ Schamesrot flüchte ich an die Luft, pralle gegen abgasgeschwängerten Abendmief und warte verdrossen, bis Moira endlich nach zwanzig Minuten aus dem Laden kommt. Triumphierend schwenkt sie ein Buch. Sie hat es geschenkt bekommen. Weder ist es meins, noch ist es ein anderer Krimi. Es ist ein Ernährungsratgeber. „Damit kann ich endlich richtig abnehmen“, schwärmt die spindeldürre Moira, und ich sage ihr: „Damit wollte er dir wohl eher nahelegen, etwas mehr zu essen.“
Sie schmollt und ich schlage einen Abend in der Scotch Malt Whisky Society in der Queen Street vor, aber ihr fällt ein, dass die Whisky Society in Leith viel netter eingerichtet ist (meint: dort hat sie mal jemanden kennengelernt, von dem sie hofft, ihn wiederzutreffen). Wir landen im Guildford Arms, wo es immer noch etwas muffig nach den Zigaretten der letzten Jahrhunderte riecht, obwohl schon so lange Rauchverbot ist. Moira blättert gelangweilt in ihrem neuen Buch, und ich mache mir ein paar Notizen in einem kleinen schwarzen Büchlein, das mir Pippa zum Geburtstag geschenkt hat. Nach einer viertel Stunde fährt mich Moira an, ich solle es wegstecken. „Redest du wieder mit mir?“, frage ich. „Nein. Aber so denkt jeder, du bist eine Polizistin, und dann spricht uns niemand an.“
Ich stecke es weg, und gleich darauf wird Moira von drei Typen belagert, die wissen wollen, was ich denn Aufregendes beim CID mache und welchen Rang ich habe. Ich stehe auf und hole mir noch einen Whisky, was soll ich auch sonst machen, sie wird die Typen unterhalten, bis der Laden zumacht, und dann wird sie sich darüber aufregen, dass sie sich tatsächlich Hoffnungen gemacht haben – für wen halten die sich, oder Moira, wie man es eben sehen will. Ich schließe die Augen und denke ein bisschen über den neuen Plot nach, den ich schon vor viel zu langer Zeit hätte abgeben müssen.
Kategorien: Diary · Roman
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Ausgebrannt
September 9, 2008 · Kommentar schreiben
Mein Bruder steht vor der Tür. Er wohnt eigentlich in Oxford (der Kinder wegen), hat seine Firma in London, ist aber ohnehin dauernd unterwegs. So wie heute. Er kündigt sich nie an. Gibt die Adresse in den Navi des wöchentlich wechselnden Leihwagens (Dauerleihwagen im Abo oder so ähnlich, läuft über die Firma) und kommt raus nach Craigentinny, zerrt mich ins Auto und fährt mit mir in die City. Wir gehen immer zu Valvona&Crolla, er zahlt ja.
Dann erzählt er mir, dass es ihm nicht gut geht. Er schläft schlecht, und wenn er schläft, träumt er schlecht. Er hat keinen Hunger, manchmal Fressattacken. Er hat jeden Morgen das Gefühl, nicht aufstehen zu können, und wenn er aufsteht, denkt er, er schafft das alles nicht mehr. Ihm ist alles zu viel. Er würde am liebsten nur noch im dunklen Zimmer liegen und nichts tun. Und so weiter. Ich höre gut zu und erkenne vieles von mir. Denke daran, dass es im letzten Jahr nicht so gut bei ihm lief. Finanziell, privat, beruflich, zwar hat es sich wieder gebessert, aber es war ein Kampf. Er ist ein guter Schauspieler, und man sieht ihn nie anders als im Armanianzug mit Guccischuhen und Louis-Vuitton-Uhr. Vielleicht wechseln mal die Marken. Er lässt nichts nach außen.
Depressionen, sage ich. Ich weiß ja, dass er diese Veranlagung hat, schon als Kind hat er damit gekämpft. Aber er hat eine ganz andere Theorie und schüttelt begeistert den Kopf: Burn out, sagt er, ein Bekannter hatte das auch. Typische Managerkrankheit.
Depressionen, sage ich, das ist doch ganz normal nach allem, was war. Er schüttelt wieder den Kopf. Jedenfalls, beharrt er, war der in so einer Klinik, weißt Du, es gibt da nämlich extra Kliniken für Manager, die sowas haben. Depressionen?, frage ich. Burn out!, unterstreicht er und freut sich, dass er mit mir darüber reden konnte. Sonst versteht ihn ja keiner, erklärt er und winkt die zweite Flasche Barolo an den Tisch. Was genau ist das mit dem Burn out im Unterschied zu Depressionen?, will ich wissen. Diese Angst, meint er und schwenkt das Glas. Es nicht zu schaffen. Ich zucke die Schultern. Depressionen mit Angststörung, schlage ich vor. Burn out, strahlt er, kippt den Wein runter und nickt dem Ober auffordernd zu.
Ich hab das ja auch alles, sage ich, als wir bei der Crème Brûlée sind. Er nickt. Depressionen, erklärt er, ganz Fachmann. Mit Angststörung. Da kann man was gegen tun, weiß er. Kein Burn out?, frage ich, und er versteht es nicht. Burn out? Wovon denn?, will er fassungslos wissen. Ich arbeite auch, viel, ohne Pause. Keine Wochenenden, kein richtiger Feierabend, letzter Urlaub vor so vielen Jahren, wahrscheinlich zusammen mit den Eltern in Wales zum Wandern. Damals, Neunzehnhundertdings. Neinnein, versichert er mir. Kein Burn out. Ich habe Burn out und geh jetzt in eine Klinik extra dafür. Zufrieden kratzt er sein Schüsselchen leer und winkt nach der dritten Flasche Barolo. Wir nehmen dann das Taxi. Ich hab ja ein Gästezimmer, extra für ausgebrannte Brüder.
Kategorien: Diary
Mit Tag(s) versehen: Burn out, Depressionen, Edinburgh, Geschwister, Valvona&Crolla
Kontakt zur Außenwelt
September 6, 2008 · Kommentar schreiben
In München, sagt Moira, die seit ihrer Rückkehr kein anderes Thema mehr hat, in München sind die Leute ganz anders. Da nehmen sie Dich wahr. Sie reden mit Dir und sind an Dir interessiert. Ganz aufgeschlossen und zugewandt sind sie. Hier gehen sie an Dir vorbei. Du kannst auf der Straße verbluten, es interessiert keinen.
Pippa und ich glauben ihr nicht. Edinburgh, sage ich, hat vielleicht mehr Touristen pro Quadratmeter als München, aber die Leute reagieren noch.
Sie interessieren sich nicht!, beharrt Moira. In München merken sie sofort, wenn Du was außergewöhnliches anhast. Weil sie Dich dann spannend finden.
Pippa sagt: Weil Du aus der bayerisch zertifizierten Norm fällst. Hier sind sie einfach nur zu höflich, um Dich anzustarren.
Wir gehen zu Jenners rein und bleiben bei den Hüten stehen. Wetten, sagt Pippa und nimmt einen hoch, wetten, sie bleiben stehen und gucken.
Wetten nein, sagt Moira und schmollt.
Wir probieren jeder fünf Hüte, sage ich. Wenn jemand reagiert, muss der Hut gekauft werden. Von Dir. Weil Du verloren hast.
Ha, sagt Moira. Das gewinn ich, und dann bekomm ich von Euch ein Sushi!
Wir gehen trotzdem Sushi essen, nur, um Moira aufzumuntern. Pippa und ich tragen unsere neuen Hüte, und wir freuen uns, dass uns diese Stadt nicht im Stich gelassen hat. Sie sind gar nicht so, wie Moira immer sagt. Gar nicht so arrogant und mit sich selbst beschäftigt.
Wer wir sind, wenn wir woanders sind
September 2, 2008 · Kommentar schreiben
Wieder in Edinburgh, ist die Welt eine andere. Wir sitzen in einem Café in Stockbridge („Das ist das neue Schwabing“, kräht Moira, die gerade von zwei Jahren München zurückgekommen ist), direkt an der Frontscheibe, und sehen uns die Leute an, die vorbeigehen und uns nicht sehen. Es ist unangenehm hell, obwohl es bewölkt ist, und ich suche meine Sonnenbrille, während ich darüber nachdenke, ob ich wohl zu Staub zerfalle, wenn ich zu lange in diesem Licht sitze.
Ich war als Kind schon lichtempfindlich, und die Ärzte meinten, es läge an einer depressiven Veranlagung („vererbt“, sagten sie; „nicht von uns“, sagten meine Eltern). In Edinburgh kleiden sie sich schon sehr anders als auf dem Land, wo ich so lange war, oder draußen in den Vororten, durch die ich auf dem Rückweg fuhr, dort, wo die Reichen wohnen. Es fällt mir besonders bei den Frauen auf. In den Vororten, die ich meine, sind die Frauen in meinem Alter verheiratet. Sie fahren mit SUVs die Kinder zur Schule und tragen die blonden Haare hochgesteckt oder zum Zopf. Sie kleiden sich mit weißen Blusen und engen Jeans, so wie man sie in der Stadt schon seit Jahren nicht mehr trägt, aber was interessiert das die blonden Vorstadtfrauen, sie sehen seit noch viel mehr Jahren schon aus wie Clone, und Moira weiß, dass sie in München nicht nur in den reichen Vororten so aussehen, sondern eigentlich überall, dazu leicht magersüchtig und immer gebräunt (nicht zu sehr). Sie sehen da von 20 bis 50 so aus, und wir anderen staunen. Pippa und ich mit unseren Mänteln, die immer so aussehen, als seien sie in einem anderen Leben ein Sofa gewesen, dunkelhaarig außerdem, und mehr schwarz als weiß im Kleiderschrank. Moira aber wie die Vorstadt(vorzeige?)ehefrau, seit sie aus München zurück ist, und sogar eine Zahnspange hat sie jetzt, um die Lücke zwischen ihren Vorderzähnen zu schließen.
Ihr seht aus wie Vampire, sagt sie unbarmherzig und will, dass wir uns blond färben, aber wir sind eigentlich sehr viel zufriedener so, wie es ist. Und statt ihr zu Harvey Nics zu folgen, ziehen wir weiter zum Grassmarket, um bei Armstrong’s zu stöbern, ein grasgrüner Ledermantel für Pippa aus den 60ern, ein Tweedmantel für mich aus den 70ern. Zusammen geben wir keine 40 Pfund aus, während Moira wahrscheinlich 400 von ihrer Kreditkarte abziehen lässt.
Sie hat jetzt andere Freunde, sagt Pippa, und wir trinken einen Tee auf sie.
Kategorien: Diary
Mit Tag(s) versehen: Edinburgh, Schottland