
Mit Susy Schmid und Mitra Devi.
Interessanter Artikel über die Entwicklung des Straßenstrichs Kurfürstenstraße. Passt gut zu “Wenn es dämmert” und zeigt, dass ich mir das nicht alles nur ausgedacht habe …
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Verschlagwortet mit Prostitution, Wenn es dämmert
jammert Moira, aber ich habe wirklich kein einziges Exemplar von “Wenn es dämmert” mitgeschleppt. Wozu auch, Lesungen werde ich hier sicherlich keine machen. Es sei denn, das Goetheinstitut meldet sich obskurerweise, aber denen bin ich nicht deutsch genug. Und irgendein Germanistikseminar wird angesichts des Genres ohnehin gar nicht erst – lassen wir das.
Ich muss Moira also enttäuschen, vorerst, aber dann gehen wir zu Waterstone’s in der George Street, weil ich noch was nachsehen muss (in Wirklichkeit, weil mir gerade nichts einfällt und ich immer Ausreden brauche, um irgendwo herumzutrödeln). Natürlich hat sie nichts besseres zu tun, als mich dem nächstbesten Verkäufer offensiv vorzustellen und lauthals nach meinem Buch zu krähen. Sie haben es nicht, welch Überraschung, und sie können es auch nicht bestellen, weil sie nicht so genau wissen, wie man das macht, ein deutsches Buch bestellen.
Ich kenne Moira lange und gut genug, um genau zu wissen, was jetzt kommt. Sie wird eine ihrer “In München war das ja alles viel besser”-Geschichten zum Besten geben. Tatsächlich: “When I lived in Munich …” Schamesrot flüchte ich an die Luft, pralle gegen abgasgeschwängerten Abendmief und warte verdrossen, bis Moira endlich nach zwanzig Minuten aus dem Laden kommt. Triumphierend schwenkt sie ein Buch. Sie hat es geschenkt bekommen. Weder ist es meins, noch ist es ein anderer Krimi. Es ist ein Ernährungsratgeber. “Damit kann ich endlich richtig abnehmen”, schwärmt die spindeldürre Moira, und ich sage ihr: “Damit wollte er dir wohl eher nahelegen, etwas mehr zu essen.”
Sie schmollt und ich schlage einen Abend in der Scotch Malt Whisky Society in der Queen Street vor, aber ihr fällt ein, dass die Whisky Society in Leith viel netter eingerichtet ist (meint: dort hat sie mal jemanden kennengelernt, von dem sie hofft, ihn wiederzutreffen). Wir landen im Guildford Arms, wo es immer noch etwas muffig nach den Zigaretten der letzten Jahrhunderte riecht, obwohl schon so lange Rauchverbot ist. Moira blättert gelangweilt in ihrem neuen Buch, und ich mache mir ein paar Notizen in einem kleinen schwarzen Büchlein, das mir Pippa zum Geburtstag geschenkt hat. Nach einer viertel Stunde fährt mich Moira an, ich solle es wegstecken. “Redest du wieder mit mir?”, frage ich. “Nein. Aber so denkt jeder, du bist eine Polizistin, und dann spricht uns niemand an.”
Ich stecke es weg, und gleich darauf wird Moira von drei Typen belagert, die wissen wollen, was ich denn Aufregendes beim CID mache und welchen Rang ich habe. Ich stehe auf und hole mir noch einen Whisky, was soll ich auch sonst machen, sie wird die Typen unterhalten, bis der Laden zumacht, und dann wird sie sich darüber aufregen, dass sie sich tatsächlich Hoffnungen gemacht haben – für wen halten die sich, oder Moira, wie man es eben sehen will. Ich schließe die Augen und denke ein bisschen über den neuen Plot nach, den ich schon vor viel zu langer Zeit hätte abgeben müssen.
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Verschlagwortet mit "Wenn es dämmer", Edinburgh, Whisky
Mitten in Phase 8.
Kurz war sie für mich, aber nett. Es gab gutes Essen bei meiner Verlagsfeier, und mein Buch wurde am Publikumstag nur so vom Stapel weggestohlen, man kam kaum mit dem Nachlegen hinterher. Im Kopf bin ich aber schon beim nächsten Buch, “Diesseits der Dunkelheit”. Meine Lektorin wartet schon auf einen cleveren Klappentext …
Und nach Schottland muss ich in diesem Jahr doch auch noch. Zum Umziehen. David, mit dem ich das Haus teile, wandert nach New Mexico aus (irgendwas mit einer Sternwarte, aber ich habe ja noch nie so genau verstanden, was er eigentlich macht, wenn er nicht gerade für die halbe Nachbarschaft kocht – das werde ich am meisten vermissen), er hat schon alles in Kisten gepackt und meine Sachen bei Moira geparkt. She was not amused, obwohl sie bei der Größe ihrer Wohnung bestenfalls einmal im halben Jahr überhaupt bemerken wird, dass da Kisten stehen, die nicht zu ihr gehören.
Wenigstens war das Berliner Wetter heute in Ordnung, und ab jetzt fangen die Schreibnächte wieder an. Lasst mich nicht alleine, nach Mitternacht …
Von “Wenn es dämmert”. Hier. Anne Chaplets “Schrei nach Stille” fand sie auch wunderbar. Auch, wie ich. Ein unglaublich atmosphärischer Roman, ja, mehr Roman als Krimi, mit intensiven Charakteren und fast schon greifbaren Ortsbeschreibungen. Bitte – lesen.
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Verschlagwortet mit Anne Chaplet, Anobella, Schottland, Thriller, Wenn es dämmert, Zoe Beck
findet dpr auf Watching the Detectives und stellt “Wenn es dämmert” kurz vor.
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Verschlagwortet mit Schottland, Thriller, Wenn es dämmert, Zoe Beck
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Eine Szene, die ich bei Lesungen gerne vorstelle, spielt in Pittenweem. Deshalb hier und heute ein bisschen mehr über das Nest:
Pittenweem ist ein nettes Fischerdörfchen am Firth of Forth mit zweieinhalb touristischen Attraktionen, darunter St Fillan’s Cave, eine Höhle, in der eben dieser St Fillan hauste, als er die heidnischen Fifer im 7. Jahrhundert zum Christentum bekehrte.
Der Ort ist nach seiner Höhle benannt. Pit bedeutet Platz, und weem ist die Höhle. Dort soll er gesessen haben, dieser St Fillan, Nacht für Nacht, und geschrieben. Was, weiß ich allerdings auch nicht. Schreiben konnte er in der dunklen Höhle deshalb so gut, weil sein linker Arm leuchtete. Heißt es.
Ungefähr 700 Jahre später buddelten Mönche einen Gang von der Höhle zum Kloster, das oben auf dem Hügel von Pittenweem steht. In dem Gang verschwanden sie, wann immer Piraten im Anmarsch waren. Die Mönche kamen eigentlich von der Isle of May, eine Insel im Firth of Forth, die man von Pittenweem aus gut sehen kann. Sie hatten im Ort aber so eine Art Zweitkonvent. Auf die Isle of May wurden von Fife aus unfruchtbare Frauen gerudert, um dort aus einem Brunnen zu trinken und zu St Adrian zu beten. Was allerdings mit ihnen passierte, wenn sie trotz Trinkens und Betens nicht schwanger wurden, weiß ich nicht. Pittenweem ist ansonsten noch berühmt für seine rührigen Hexenverfolgungen (einen belegten Zusammenhang mit den unfruchtbaren Frauen habe ich noch nicht finden können). Die letzte Hexe wurde 1705 hingerichtet, und das nicht mal offiziell, sondern vom wütenden Pittenweemer Mob. (Nein, nein, die Schweizer waren noch später, da wurde die letzte Hexe irgendwann in den 80er Jahren des 18. Jahrhunderts verbrannt. Aber die Schweizer brauchen ja immer etwas länger. Ich sag nur Frauenwahlrecht.)
Es heißt, in Pittenweem gab es einen auf Frauen nicht sonderlich gut zu sprechenden Herrn, der in so ziemlich jedem Rock Hexen zu sehen schien. Die von ihm zuletzt ausgerufene Hexe wurde vor Gericht gebracht und ins Gefängnis geworfen. Dann versuchte man erstmal drei Jahre lang, Beweise für ihre Hexerei zu sammeln. Als man nichts fand, ließ man sie wieder laufen.
Das wiederum passte dem Priester von Pittenweem nicht so richtig. Vermutlich hatte er gerade kein gutes Thema für die Sonntagspredigt, jedenfalls rief er seine Gemeinde dazu auf, das böse Weib seiner gerechten Strafe zuzuführen. Wo die Justiz zu schwach war, da musste Gott usw. Also rannte die Gemeinde los, zerrte die Frau an den Haaren aus ihrem Haus in den Hafen, band sie an einen der Anlegepflöcke und fing schon mal an, sie zu steinigen. Für den Fall, dass die hinterhältige Hexe das überlebt haben sollte und nur so tat, als sei sie tot, fuhr man anschließend mit dem Pferdewagen mehrfach über sie drüber. Das englische Wort witch kommt übrigens von dem altenglischen wicce, das deutsche Wort Hexe vom altdeutschen hagzissa. Mit dem gerade Erzählten hat das gar nichts zu tun, ich bin nur gerade so im Schwung.
1705, um da noch einmal drauf rumzureiten, hatte Hobbes zwar seinen Leviathan gute fünfzig Jahre vorher veröffentlicht, aber die Aufklärung brauchte noch ein bisschen. Bach feierte 1705 seinen zwanzigsten Geburtstag, Händel schrieb gerade „Almira“ fertig. Shakespeare war zu der Zeit knappe neunzig Jahre tot. Newtons Infinitesimalrechnung war schon ganz groß rausgekommen, außerdem gab es Spiegelteleskope, Rechenmaschinen und, ganz neu, Dampfmaschinen. Und in Pittenweem steinigten sie eine Hexe.
Aber es ist hübsch, dieses Pittenweem. Es hat den größten Fischmarkt in der Gegend, und die Kinder auf der Straße grüßen höflich die Fremden, auch wenn es rothaarige Frauen sind. Nur ein kleiner, etwa siebenjähriger Junge in Combatoutfit hat mir gegen das Schienbein getreten. Wirklich nur einer.
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Verschlagwortet mit Hexen, Schottland, Wenn es dämmert, Zoe Beck