Aldi hat ja nun eröffnet.
August 31, 2008 · Kommentar schreiben
In St Andrews. Letztes Jahr, als ich dort wohnte, gab es ihn nur in Planung. Überall lagen Bierdeckel aus, auf denen sie um neue Mitarbeiter warben. Als schottischer Aldi-Marktleiter verdient man nicht schlecht, weiß ich jetzt. Und am Donnerstag war es soweit, da ließen sie die Bevölkerung von St Andrews auf das deutsche Sortiment, um Baked Beans erweitert, los. Die Studenten, die im Oktober zurückkommen, werden sich freuen, ist er doch so viel billiger als Morrisons. Aber die Öffnungszeiten werden wahrscheinlich wieder sehr deutsch sein. Ich muss mal wieder hinfahren. Nach diesem Trossachs-Buch. Dann kommt wieder ein St Andrews-Buch. Das hab ich doch erwähnt, nein?
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Strukturen (fest)
August 31, 2008 · Kommentar schreiben
Die meisten sind sich einig, dass dies der einsamste Beruf der Welt ist. Er wird dadurch nicht weniger einsam, dass man den Figuren aus dem Kopf nicht nur auf dem Papier und im Schlaf, sondern manchmal noch im Wohnzimmer begegnet, wo sie sich ungefragt herumtreiben. Ungefähr dann ist es an der Zeit, über Tabletten nachzudenken oder jemanden anzurufen.
Steve ist bekifft, als er abnimmt, aber er hört trotzdem zu, ohne dabei einzuschlafen. Nach einer Stunde ist er sogar fast wieder ganz wach und kann sich merken, worüber wir reden. Er sagt, ich soll mehr auf mich aufpassen, das Schlafen nicht vergessen und vielleicht sogar mal Menschen treffen.
Menschen treffen ist schwierig mit einer Mischung aus Agoraphobie und Soziophobie. Eigentlich ist es auch keine Mischung, sondern eine Addition. Aber Menschen treffen muss ich. Ich treffe sie auf Skype. Erst John, der sich mit mir darüber streiten will, was Literatur ausmacht und dass Stil völlig überbewertet sei. Ich werfe ihm in seinen Stücken Altherrenästhetik und ein fragwürdiges Frauenbild vor und merke, dass es mir zu schwer fällt, weiterzuchatten, weil die Verletzlichkeit zunimmt, sobald man etwas über sich lesen muss, weil man selbst viel schneller bereit ist, zu verletzen, sobald man etwas nur schreibt und nicht sagt.
Im rechten Moment öffnet sich das Fenster mit Dan, der versteht, was gerade passiert, und anschließend darüber nachdenkt, ob es nicht besser sei, Familie zu haben oder einen festen Job. Strukturen halten einen vom Wahnsinn ab, erklärt er und hat recht, aber ich fürchte, mich würden sie noch viel wahnsinniger machen als die Einsamkeit dieses unstrukturierten Berufs. Man schafft diesen Beruf nur, wenn man sich nicht in die Strukturen begibt, sagt er, und deshalb verliert man schneller den Verstand, weil die Strukturen fehlen.
Ich frage mich und ihn, ob es nicht andersherum ist: Wer dazu neigt, schneller dem Wahnsinn zu verfallen, der lässt das mit Familie und festem Job lieber gleich, der weiß von Anfang an, dass er ohnehin nichts anderes machen kann als diesen Wahnsinn. Henne und Ei, sage ich ihm in dem grünen Fenster, und er weiß es schon, deshalb hält er sich an seinen Strukturen fest, er weiß schon längst, was auch mit ihm passieren würde, wenn er losließe.
Ich logge mich einfach aus, ohne Gute Nacht zu sagen, logge mich wieder ein, um Gute Nacht zu sagen, und stelle mich im Wohnzimmer den Figuren aus meinem Buch meinem Kopf meinem Schlaf, sie sitzen und trinken und reden, als wäre ich nicht da, dabei bin ich doch Icherzähler.
Vielleicht ist es jetzt Zeit, wieder zu schlafen, morgens um vier, als die Sonne noch lange nicht über den Trossachs aufgehen wird.
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