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Sushi in Stirling

August 30, 2008 · Kommentar schreiben

Eigentlich sitzen wir schon seit Mittags im Costa und reden, weil wir uns so lange nicht mehr gesehen haben. Mona erzählt von ihrer alten Tante, die an Ostern zu Besuch war und das ganze Haus vollgekotzt hat, weil sie das Curry nicht vertragen hat. Seitdem hat Mona keinen Teppichboden mehr im Flur, sondern Fliesen. Es hört nicht auf zu regnen. Trotzdem gehen wir raus, wir haben Hunger, und Mona, die kein Curry mehr essen kann und auch besonders nichts mehr mit Hühnchen, alles seit Ostern, schlägt Sushi vor, weiß aber nicht, wo es Sushi gibt.

Sie wissen es bei der Tourist Information und schicken uns durch die halbe Stadt, bergauf, bergab, wir finden keinen der vorgeschlagenen Läden und haben auch irgendwann vergessen, wo sie sein sollen. Also fragen wir jemanden, aber egal, wen wir fragen, keiner scheint jemals etwas von Sushi gehört zu haben. Alles Touristen, murmelt Mona. Nachdem wir eine Stunde herumgeirrt und klitschnass sind, beschließt sie: Sushi ist 90er, und die 90er sind noch nicht Teil der Retrowelle. Ich frage sie, was wir nun echt retro machen wollen, wenn wir schon nicht zum Inder können. (In Wirklichkeit macht es mich froh, dass ich nicht zum Inder muss, ich bin allergisch auf Curry, aber ich bin es Leid, immer diejenige zu sein, die Restaurants ausschlägt, weil sie dort nichts essen kann. Ehrlich gesagt freue ich mich darüber, dass mal jemand anders, nämlich Mona, die Komplizierte ist.) Italiener? Wir schütteln beide den Kopf. Nördlich des Hadrian’s Walls liegt die Gute-Italiener-Quote bei 1:100.000.

Der Regen wird schlimmer, weil der Wind auffrischt, und wir stellen uns irgendwo unter. Es ist nur ein sehr schmaler Unterstand, vielleicht 10 Zentimeter, und neben uns stehen noch mehr Leute. Sie rauchen, frierend, ohne Jacken. Ich sehe, wir sind vor einem Pub. Retro, sage ich. Pub food. Drinnen wird es noch entfernt nach dem Rauch aus der Zeit vor dem Rauchverbot riechen, außerdem nach Fish & Chips und verschüttetem Bier, und irgendwie finden wir diese Idee viel besser als Sushi. Chips, sagt Mona, sind ihr sowieso viel lieber als Reis, sie zieht Essig dem grünbläulichen Wasabi vor, und roher Fisch – wenn sie ganz ehrlich ist, mochte sie den ja noch nie. Ich muss ihr bei allem, was uns gerade so einfällt, schwören, es niemals jemandem weiterzusagen. Mona legt sehr viel Wert darauf, besonders trendy zu sein. Ich erinnere sie nicht daran, dass sie eben noch meinte, Sushi sei 90er, aus Angst, sie könnte anfangen, mich mit Erbsen zu bewerfen. Die gibt es wie immer zum Fisch und den dick geschnittenen Chips.

Kategorien: Diary
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