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Nachts um eins in Callander

August 6, 2008 · 6 Kommentare

Es hat nicht viel geregnet, aber immer mal wieder ein paar Tropfen. Nachts um eins beschließe ich, dass ich rausgehen und einen Briefkasten suchen kann, ohne dass ich meine Regenjacke brauche. Ich habe einen Jogginganzug an, in dem ich auch schlafe, weil es hier in den Trossachs nachts empfindlich kühl werden kann, auch im August. So gesehen gehe ich also im Schlafanzug durch den Ort und suche den Briefkasten, einen Stapel Rechnungen und Postkarten in der einen Hand, Schlüssel und Telefon in der anderen. Niemand wird mich sehen, weil schon alle schlafen. Das Pub ist längst zu, ich weiß es, ich saß bei der letzten Runde noch dort.

Es sind noch etwa zweihundert Meter bis zu der Stelle, an der ich den Briefkasten vermute, als ein Mann aus einer Seitenstraße auftaucht. Er geht probehalber ein paar Schritte nach links, dann nach rechts, dann auf mich zu und fragt, wie er zu seinem Auto kommt. Es steht vor dem Pub, und als ich ihn mir näher ansehe, weiß ich nicht, ob es eine gute Idee ist, wenn er heute noch Auto fährt. Strenggenommen gibt es in Callander kaum die Möglichkeit, jemandem den Weg zu beschreiben. Im Grunde muss man nur sagen: Die Straße rauf, oder: Die Straße runter. Dummerweise müssen wir beide die Straße runter, und wie es sich gehört, reden wir über das Wetter, und dass es schon dunkel ist, nachts um eins, und dass das Pub geschlossen hat, und wenn man länger weggehen will, muss man eigentlich in Glasgow wohnen, aber wenn man ruhig und schön wohnen will, auf dem Land, man kann nicht beides haben, und endlich sind wir am Briefkasten. Ich kann also wieder umdrehen und zurückgehen.

Wir sprachen nicht über die Dinge, die uns wirklich interessiert hätten. Ich hätte gerne gewusst, wie er es geschafft hat, in einer Häuseransammlung wie Callander nicht mehr zu wissen, in welcher Richtung sein Auto steht. Oder ob er sicher ist, dass er noch fahren kann. Wo er gerade hergekommen ist und warum er nicht vorm Haus geparkt hat (ein heimliches Verhältnis, ist anzunehmen). Er hätte sicher gerne gewusst, warum ich nachts um eins in Callander einen Briefkasten aufsuche, wenn vor morgen ohnehin keine Leerung mehr ist, und warum ich im Schlafanzug unterwegs bin. Wie schade, dass man so selten über das sprechen kann, was einen wirklich interessiert. Man trifft sich doch ohnehin nie mehr wieder. Vielleicht sollte ich es das nächste Mal einfach ausprobieren.

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